WAHRHEIT, die

Ist eine Göttin – zumindest bei den alten Griechen.

Unter dem klangvollen Namen Aletheia hat Homer sie in der Ilias beschworen. Nun haben wir sicher ein anderes Verständnis von Wahrheit als das antike Epos, das hemmungslos Geschichte, Mythos und Fiktion mischt.

Intuitiv und alltagssprachlich verstehen wir unter Wahrheit die Übereinstimmung zwischen dem, was passiert, und dem, was wir darüber sagen. Philosophisch heißt das Korrespondenztheorie der Wahrheit: Wort und Wirklichkeit ent-sprechen einander. Wie naiv, sagt Friedrich Nietzsche und nach ihm zahlreiche Denker des späten 20. Jahrhunderts – eine von der Sprache unabhängige Wirklichkeit gibt es doch gar nicht.

Gefährlich und unsinnig, antwortet hier Harry Frankfurt. Schließlich weist uns die von unserem Willen unabhängige Realität in unsere Schranken – und die Erfahrung unserer Begrenzung macht einen wichtigen Teil unserer menschlichen Identität aus. Dabei ist es den Fakten herzlich egal, was wir von ihnen halten. Aber für uns als Gesellschaft ist es essenziell, dass wir den Unterschied zwischen Wahr und Falsch erkennen – um Dinge richtig tun zu können: eine Krankheit richtig behandeln, eine Brücke stabil bauen. Auch das ist Wahrheit: ganz pragmatisch gesehen.

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