REICH DER ZEICHEN, das

Ist ein Essay des Philosophen Roland Barthes.

Der Essay entstand 1970 nach einer Japanreise. Auf den ersten Blick erweckt er den Anschein von Impressionen einer Japanreise. Doch das ist er nicht. Barthes hat nicht die Absicht, Realität abzubilden. Vielmehr nutzt er Elemente der japanischen Kultur und Gesellschaft als Sprungbrett, um ein Zeichensystem zu imaginieren, das westliches Denkens buchstäblich ins Leere laufen lässt.

In diesem Sinne ist Das Reich der Zeichen ein Gedankenexperiment der Form: Stell Dir vor, Du bereist eine Land, in dem Zeichen- und Sprachsystem ganz anders funktionieren als Deine eigenen. Damit eröffnet sich Dir ein Raum außerhalb Deiner Sprache. Und nur von dort, von außerhalb, kannst Du über Dein eigenes Zeichen- und Sprachsystem nachdenken.

In diesem imaginierten Japan ist alles Zeichen: das Essen, die Stadt, die Gebräuche. Aber die Zeichen kennen nicht die Fülle der Bedeutung wie bei uns. Man erwartet nicht, dass sie immer einen Sinn ergeben müssen. Es geht um Leere und um die Flüchtigkeit des Augenblicks.

Barthes, Roland: Das Reich der Zeichen
Erschienen in der aktuellen Auflage 2019 bei Suhrkamp

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