22 NOV 2021

7 Min

Das Aschenputtel-Prinzip – eine Analyse

Die Chefredakteurin des Philosophiemagazins Dr. Svenja Flaßpöhler hat einen vieldiskutierten Kommentar zum Umgang mit Ungeimpften in der Coronapandemie verfasst.

Der Kommentar trägt den Titel „Das Aschenputtel-Prinzip” und vertritt die These, dass durch Maßnahmen wie die 2G-Regel ungeimpfte Personen als schlechte Menschen in die Ecke gestellt würden bzw. gemäß „Aschenputtel-Prinzip“ „ins Kröpfchen” kämen.

Die Coronapandemie ist kein genuin philosophisches Thema. Philosophinnen sollten deshalb besonders sorgsam auf Evidenz und gültige Argumentation achten. Wir haben den Kommentar (schwarz) in dieser Hinsicht unter die Lupe genommen (blau) und finden: Das ist leider misslungen.

Der Originaltext findet sich hier auf der Website des Philosophie Magazins.

Portrait des chilensichen Neurobiologen Humberto Maturana

Foto: Illustration von Alexander Zick (1845 - 1907) / Digitale Kopie via Wikipedia

These 1: Ungeimpfte werden zu schlechten Menschen gemacht

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Dieser Satz aus dem allseits bekannten Märchen Aschenputtel [1] wird in diesen Tagen rasant ansteigender Ansteckungszahlen zur handlungsleitenden Maxime. [2]. Mit den Guten sind die Geimpften gemeint, die sich solidarisch und vernünftig verhalten, mit den Schlechten die unsolidarischen und unvernünftigen Nicht-Geimpften, die man vom öffentlichen Leben fortan ausschließen möchte, damit sie die Guten und das gesellschaftliche Ganze nicht weiter gefährden.” [3] [4]

[1] Falsche Analogie:
Die Formulierung aus dem Märchen hat keinerlei moralische Wertung oder auch nur Implikation. Diese wird von der Autorin stillschweigend unterlegt.

[2] Falsche Behauptung in Verbindung mit einem roten Hering:
Die „handlungsanleitende Maxime” von Institutionen und Entscheidungsträgern besteht darin, in einer schwierigen pandemischen Situation Infektionsrisiken zu minimieren. Zu behaupten, die Maxime sei es, Ungeimpfte als schlechte Menschen ins „Kröpfchen” einzusortieren, ist deshalb grundlegend falsch und lenkt darüberhinaus von der wahren Maxime ab.

[3] Erweiterter naturalistischer Fehlschluss:
Wenn Ungeimpften z. B. der Zugang zu Orten mit 2G-Beschränkung verwehrt wird, dann deshalb, um Infektionsrisiken zu minimieren und nicht weil Ungeimpfte schlechte Menschen sind. Ungeimpfte als unvernünftig und solidarisch zu bezeichnen, kann hingegen schlüssig begründet werden: a) Die Wahrscheinlichkeit an einer Impfnebenwirkung zu leiden, ist wesentlich geringer als die an einem schweren COVID-19-Verlauf. Der Nutzen überwiegt die Risiken. Aus rationaler Abwägung muss man sich daher für eine Impfung entscheiden. Sich nicht impfen zu lassen, ist deshalb unvernünftig. b) Betrachtet man den Gemeinschaftsschutz als wichtiges und notwendiges Gut, um die pandemische in eine endemische Situation zu führen, beteiligen sich Ungeimpfte nicht an dieser gemeinsamen Anstrengung und können deshalb tatsächlich als unsolidarisch bezeichnet werden.

[4] Falsche Behauptung:
Ungeimpfte werden nicht pauschal vom öffentlichen Leben ausgeschlossen sondern nur in dem Maße, wie es Orte mit 2G-Beschränkungen gibt oder Ausgangs-/Kontaktbeschränkungen auferlegt werden.

These 2: Ungeimpfte werden rhetorisch kriminalisiert

„Der ehemalige Vorsitzende des Ethikrates Peter Dabrock sekundierte, [...] das egoistische Verhalten der Ungeimpften lasse sich mit dem Steuerskandal Cum Ex vergleichen, der den Staat um Milliarden Euro erleichtert habe. [...] Gegenwärtig erleben wir also, wie Ungeimpfte rhetorisch kriminalisiert werden, obwohl sie faktisch nichts Kriminelles tun.” [5]

[5] Strohmannargument:
Mit dem Gedankenexperiment will Dabrock die These illustrieren, dass Empörung ein Ausdruck für moralische Intuition sein kann und nicht Ungeimpfte Verbrechern gleichsetzen. Dabrocks Entscheidung, für diese These ein derartiges Beispiel zu wählen, kann man maximal als unglücklich bezeichnen.

These 3: Ungeimpfte machen sich nicht moralisch schuldig an den hohen Inzidenzzahlen und der Überlastung der Intensivstationen

„Genauso wahr ist aber, dass Impfungen Ansteckungen nicht verhindern [6], Impfdurchbrüche vermehrt auftreten und auch doppelt Geimpfte auf den Intensivstationen behandelt werden. [7] Auch die Vorstellung „Wenn sich nur alle impfen ließen, hätten wir die Pandemie bald besiegt“ ist falsch: [8] Dass durch massenhaftes Impfen das Virus (wie die Pocken) aus der Welt geschafft werden könnte, verneint selbst das Robert-Koch-Institut, das Erreichen einer Herdenimmunität sei „nicht realistisch“.“ [9]

[6] Strohmannargument:
Keine seriöse fachkundige Person hat jemals behauptet, dass Impfungen Ansteckungen verhindern. Impfungen reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung und eines schweren Krankheitsverlaufs. Das sagt allein schon die Wirksamkeit von Impfstoffen aus. Eine Wirksamkeit von z. B. 90 % bedeutet laut RKI „Die Wahrscheinlichkeit, schwer an COVID-19 zu erkranken, ist bei den vollständig gegen COVID-19 geimpften Personen um etwa 90 % geringer als bei den nicht geimpften Personen.“

[7] Cherry-Picking:
Die Autorin verschweigt, dass der prozentuale Anteil an Geimpften (aus der Menge der Geimpften), die intensiv behandelt werden müssen, wesentlich geringer ist, als der Anteil an Ungeimpften (aus der Menge der Ungeimpften). Das Argument, dass Ungeimpfte unverhältnismäßig hoch Intensivbetten belegen, bleibt daher valide.

[8] Strohmannargument:
Auch das hat keine seriöse fachkundige Person jemals behauptet. Wie zum Beispiel Christian Drosten im Podcast Coronavirus-Update (ab min. 68) betont hat, geht es darum, den pandemischen in einen endemischen Zustand zu überführen.

[9] Erweiterter naturalistischer Fehlschluss:
Die Aussage ist zwar inhaltlich richtig, für die Argumentation aber irrelevant, da wie in Analysepunkt [8] gezeigt, das Ziel der Pandemiemaßnahmen nicht darin besteht, SARS-COV-2 auszurotten, sondern die Krankheit in einen endemischen Zustand zu überführen. Nebenbei hinkt auch die Analogie mit dem Pockenvirus, da laut einer Studie von BMJ Global Health SARS-COV-2 „deutlich schwerer zu besiegen“ sei.

These 4: Impfung allein macht uns nicht zu besseren Menschen

„Woraus folgt, dass allein eine Impfung uns eben doch nicht zu besseren Menschen macht. [10] Wenn sich jemand, der geimpft ist, mit Verweis auf seinen Impfschutz weigert, eine Maske zu tragen und sich frohgemut unter Menschen begibt, dann ist dieser Jemand ziemlich sicher gefährlicher als ein Mensch, der sich nicht impfen lassen möchte, aber sich regelmäßig testet, Maske trägt und auch sonst sorgfältig alle notwendigen Maßnahmen einhält. Viele nutzen ihre Impfung – und wer wollte es ihnen angesichts der derzeitigen Diskurslage (Töpfchen/Kröpfchen) verdenken – als Freifahrtschein und treiben die Zahlen so erst recht in die Höhe.” [11]

[10] Logischer und erweiterter naturalistischer Fehlschluss:
a) Logische Schlussfolgerung aus der bisherigen Argumentation, die aufgrund der Fehlerhaftigkeit der bisherigen Argumente jedoch logisch falsch ist. b) Eine Impfung erhöht die Immunität einer Person und nicht deren moralischen Status. Dieser Kurzschluss wurde in keiner seriösen Diskussion hergestellt. Moralität kommt dann ins Spiel, wenn man über eine moralische Pflicht zur Impfung spricht. Die Frage nach der moralischen Pflicht zur Impfung ist ethisch hochrelevant und bedarf einer differenzierten philosophischen Betrachtungsweise. Schade, dass sich die Autorin darauf nicht einlässt.

[11] Unzulässige Verallgemeinerung an der Grenze zur Verunglimpfung:
Es mag geimpfte Personen geben, die so denken oder sich so verhalten. Das zu generalisieren und jeder geimpften Person zu unterstellen, ist unzulässig und grenzt an Verunglimpfung. Die Autorin bleibt auch jeden Beweis ihrer Behauptung schuldig.

These 5: Das Argument der Selbstverschuldung zerstört die gesellschaftliche Solidarität

„Richtig, wer sich nicht impfen und damit das Risiko einer schweren Erkrankung steigen lässt, hätte eine Einlieferung ins Krankenhaus wahrscheinlich durch eine Impfung verhindern können. Doch wenn wir dieses Argument wirklich gelten lassen, dann wird die gesellschaftliche Solidarität, die wir gerade jetzt so sehr brauchen, erst recht zerstört – und zwar fundamental und unwiederbringlich. Auch der Motorradfahrer hätte den schweren Unfall verhindern können, wenn er gar nicht erst auf diese Todesmaschine gestiegen wäre. Um vom Raucher mit Lungenkrebs ganz zu schweigen. [12] [...] Zudem ist es für viele Ungeimpfte ein Leichtes, die Schuldlast umzukehren: Warum soll ich mich als gesunder Mensch, der regelmäßig Sport treibt, keinen Alkohol trinkt und nicht raucht, impfen lassen, nur weil andere sich nicht im Griff haben und deshalb als Risikogruppe gelten?“ [13]

[12] Falsche Analogie:
Weder Motorradfahren noch Rauchen findet in einer pandemischen (Not)lage statt, in der Intensivfälle massiv auftreten. Wenn es so etwas wie eine pandemische Situation von verunfallten Motorradfahrern gäbe, dann könnte es durchaus legitim und vielleicht sogar angezeigt sein, das Motorradfahren für die Zeit der pandemischen Situation zu verbieten. Der Schluss auf die Erosion der Solidarität läuft deshalb ins Leere.

[13] Falsche Analogie:
Selbstverschuldetheit kann sehr unterschiedliche Komplexitätheitsgrade haben. Wenn jemand alkoholkrank oder übergewichtig ist, dann liegt das oftmals an einem komplexen Zusammenspiel von Faktoren, deren Bekämpfung ein schwieriges und langwieriges Unterfangen sein kann – während die Impfung nur einen ein- oder mehrfachen Piks in den Arm bedeutet.

These 6: Die wahre Verantwortung liegt in der Politik, die zur Ablenkung von ihrem Missmanagement Schuldige sucht und sie in den Ungeimpften findet

„Der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert, wir beschuldigen uns munter und gehässig gegenseitig, anstatt dass man die zur Verantwortung zieht, die die Situation, wie wir sie gerade erleben, auf einer viel grundsätzlicheren Ebene verursacht haben. Impfzentren hat man verfrüht geschlossen, die so wichtigen Tests wurden zahlungspflichtig, in den Krankenhäusern stehen seit Jahresbeginn 4000 Intensivbetten weniger zur Verfügung, weil man es versäumt hat dafür zu sorgen, dass Arbeitsbedingungen und Bezahlung sich für Pflegekräfte signifikant verbessern; in vielen Schulen gibt es immer noch nicht ausreichend Lüfter. [14] Man braucht nicht viel psychologisches Gespür, um in der neuen Sündenbock-Rhetorik ein gelungenes Ablenkungsmanöver zu erkennen: Schuld sind DIE Ungeimpften. Punkt. Aus.“ [15]

[14] Inhaltlich korrekt aber argumentativ unwirksam:
Die aufgeführten Versäumnisse und Fehlentscheidungen sind korrekt. Sie sind massiv und unentschuldbar. Dennoch stützen sie nicht die zentrale These, dass ungeimpfte Personen zu schlechten Menschen gemacht werden.

[15] Verweis auf diffuse emotionale oder psychische Zustände:
„Psychologisches Gespür“ ist weder beweis- noch evidenzfähig. Aus diesem argumentativ nicht belastbaren Zustand folgert die Autorin eine generalisierte Unterstellung.

These 7: DIE Ungeimpften gibt es nicht. Sie sind kein homogenes Kollektiv und von unterschiedlicher Vulnerabilität

„Die Rede von DEN Ungeimpften suggeriert ein unterschiedsloses Kollektiv an Dummköpfen, die gegen jede Vernunft handeln. [16] Das Virus betrifft aber nicht alle Menschen gleich. [17] [...] Wer jung und kerngesund ist und das Risiko, die Krankheit zu durchlaufen mit dem Risiko von Impf-Nebenwirkungen – etwa einer Herzmuskelentzündung [18] – abwägen möchte, weil er oder sie mit vorherigen Impfungen vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht hat, handelt nicht gegen die eigene Vernunft, sondern selbstbestimmt.”

[16] Ungültige Schlussfolgerung und Unterstellung:
Die Rede von DEN Ungeimpften besagt erst einmal genau das: Dass es Ungeimpfte gibt. Das „unterschiedslose Kollektiv an Dummköpfen“ ist eine unterstellte, nicht belegbare Bedeutung.

[17] Unwirksames Argument:
Wie Virologen und Epidemiologen nicht müde werden zu betonen, ist das Virus für ältere Menschen am gefährlichsten, aber auch jüngere können schwer erkranken. Hier hilft ein Blick ins DIVI-Intensivregister, das die Altersstruktur der Patienten auf Intensivstationen en detail zeigt. Am 18.11.21: Knapp 30 % der Intensivpatienten sind zwischen 40 und 59 Jahre alt.

[18] Durch Evidenz widerlegtes Argument:
Die Wahrscheinlichkeit, sich eine Herzmuskelentzündung zuzuziehen, ist gerade für junge Menschen bei einer Coronainfektion signifikant höher als bei der Impfung – was z. B. durch die Auswertung von Gesundheitsdaten aus den USA belegt ist.

These 8: Die Impfquote in Schweden zeigt, dass sich Menschen auch ohne Zwang und rhetorische Kriminalisierung verantwortlich und solidarisch zeigen

„Übrigens liegt die Impfquote in Schweden nur wenig über der hiesigen. Trotzdem hat just jenes Land, das hierzulande aufgrund seiner liberalen Corona-Politik massiv in der Kritik stand, [19] die virale Lage im Griff; die Inzidenz liegt bei knapp über 50. Ein entscheidender Grund dafür wird darin gesehen, dass die Menschen ihrer Regierung vertrauen. [20] Die schwedische Regierung hat einen klaren Kurs verfolgt, die Eigenverantwortung wurde immer hochgehalten, und so verhalten sich die Menschen auch ohne Lockdown verantwortlich.“ [21] Ja, die Todesrate ist in Schweden höher als in Deutschland. [22] Doch wer will ausschließen, dass wir schlussendlich ähnlich viele Tote zu beklagen haben werden, weil sich die Krise immer weiter in die Länge zieht und die Menschen durch die Politik der Bevormundung jede Eigenverantwortung verlernen?” [23]

[19] Cherry Picking:
Massive Kritik gab es auch in Schweden selbst. Ausgerechnet der schwedische König, normalerweise zurückhaltend bei Kritik an der Regierung, bezeichnete die Coronapolitik seines Landes aufgrund der hohen Todeszahlen im Dezember 2020 als „gescheitert“.

[20] Cherry Picking:
Ein weiterer Grund, entweder aus Unkenntnis oder geflissentlich verschwiegen, wird in der etwas anderen Verteilung der Impfungen auf die Altersgruppen im Vergleich zu Deutschland gesehen. Die Quote bei den geimpften Ü60-jährigen liegt in Schweden etwas höher als in Deutschland. Es ist also keineswegs so, wie der Text suggeriert, dass Schweden ausschließlich lax und libertär agiert. Im Gegenteil kann festgehalten werden, dass die Impfpolitik zielgerichteter erfolgt. Und woran, außer an staatlichem Handeln und staatlicher Vorsorge, kann das liegen?

[21] Falsche Analogie:
Die Frage ist, ob Schweden wirklich als Beispiel gelungener Pandemiepolitik taugt. Die Kritik des Monarchen haben wir bereits erwähnt. Gescheitert ist die schwedische Politik auch insofern, als man anfänglich auf Herdenimmunität via Durschseuchung setzte, was nicht funktionierte. Unter anderem dadurch wurde Schweden aber zum „Nettoexporteur“ der Krankheit in seine Nachbarländer. Und auch die Todeszahlen im direkten Vergleich sprechen nicht für den schwedischen Weg: dreimal höher als in Dänemark, fast zehnmal höher als in Norwegen.

[22] Cherry Picking:
Wieso Schweden und ausschließlich Schweden als Beispiel nehmen? Auch andere Länder sind erfolgreicher in der Pandemiebekämpfung. Spanien und Portugal stehen derzeit (November 2021) ebenfalls wesentlich besser da als Deutschland, mit einer wesentlich höheren Impfquote. Die wiederum hat vermutlich mehrere Ursachen, eine davon ist die, glaubt man einer Umfrage des Eurobarometer, dass Impfen als eine Bürgerpflicht angesehen wird. Und was ist mit unserem Nachbar Frankreich? Hier hat der Staat tatsächlich eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen auf den Weg gebracht. Große Kündigungswellen blieben ebenso aus wie massive Proteste. Alle Beispiele zeigen: starkes und verantwortliches Handeln des Staates und Einsatz für eine hohe Impfquote zeitigen Erfolge.

[23] Unsinnige Spekulation:
Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Zahlen in Schweden weiter steigen. Weiterhin gibt die Autorin keine Gründe an für die Spekulation höherer Todeszahlen.

These 9: Wahre Solidarität lässt sich nur mit und nicht gegen die individuelle Freiheit durchsetzen.

„Woran sich zeigt: Wahre Solidarität lässt sich nicht gegen die individuelle Freiheit durchsetzen, sondern nur mit ihr. [24] Natürlich gilt es, vulnerable Gruppen zu schützen. Aber genauso grundlegend ist, dass die Menschen die Verfügungsgewalt über ihren Körper behalten.” [25]

[24] Ungültige Schlussfolgerung:
a) Die Schlussfolgerung ist ungültig, da der Bezug zur Prämisse nicht ersichtlich ist. Es fehlt die Brückenargumentation zur Solidarität. b) Eine gültige Schlussfolgerung lässt sich in entgegengesetzter Richtung ziehen. Maßnahmen wie 2G werden deshalb implementiert, WEIL die individuelle Freiheit eben nicht zu ausreichender Solidarität geführt hat.

[25] Verpasste Chance:
Genau das wäre Aufgabe der Philosophin: Zu erötern bis wohin die Verfügungsgewalt reicht und wo die Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber beginnt. Schade.


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